• Entwicklung des Photovoltaik-Marktes & Anforderungen an Unternehmen

    Die neusten Zahlen und Fakten des Photovoltaik-Marktes und deren Hintergründe, sowie die sich daraus ergebenden Notwendigkeiten für Unternehmen der Branche

    Artikel von Aiko Schinke, 14.05.2015


    Spätestens seit 2013 ist der Gesamtmarkt für Photovoltaik-Systeme (PV-Systeme) in einem Umbruch, der die Grundlagen des Wettbewerbes aktuell dramatisch verändert:

    Der Preis der Vergütung für die mit kleinen PV-Systemen erzeugte elektrische Energie sank 2013 erstmalig und mit hoher Wahrscheinlichkeit dauerhaft unter den Strompreis, sodass nun der Eigenverbrauch der erzeugten Energie rentabler ist als die Einspeisung.

    Strompreis Einspeisevergütung

    Bedingt dadurch führt bei kleinen PV-Systemen mit einer Nennleistung von bis zu 10 kWp lediglich eine Überschuss-Einspeisung der erzeugten Energie zu einem wirtschaftlichen Vorteil für den Anlagenbetreiber. Bei der Berechnung und Dimensionierung von PV-Systemen sind neue Konzepte notwendig, da nun die vollständige Bebauung einer Fläche nicht mehr zur Maximierung des Nutzens des Kundens führt, sondern nun eine Vielzahl verschiedener wirtschaftlicher und technischer Einflussfaktoren die Investitionsentscheidung und die individuelle optimale System-Größe beeinflussen. [3], [4], [5]

    Wird ein Photovoltaik-System überdimensioniert, sodass signifikant mehr Energie in das Netz eingespeist wird, als die Verbraucher-Einheit überhaupt an Energie-Bedarf hat, so ist es nun ebenfalls möglich, dass ab einer bestimmten Größe des PV-Systems dauerhaft Verluste erwirtschaftet werden.

    Somit ist es nun für die Investoren attraktiver geworden PV-Systeme dort zu errichten, wo die erzeugte Energie direkt selbst verbraucht werden kann. Allerdings hat der Gesetzgeber durch die Novellierung des EEG zum 1. August 2014 die möglichen Konzepte für Investoren zum wirtschaftlichen Betreib eines PV-Systems (z. B. sogenannte Mieterstrom-Modelle) stark beschränkt. [1]

    Photovoltaik zubau

    Die Auswirkungen auf den Photovoltaik-Markt werden insbesondere deutlich bei Betrachtung des Zubaus neuer PV-Systeme in den letzten Jahren. Während bis 2010 der Zubau im PV-Markt noch ein exponentielles Wachstum verbuchen konnte, stagnierte dieser jedoch in den Folgejahren und ist den vergangenen zwei Jahren um 75% zusammengebrochen. Gemessen an den durchschnittlichen Preisen eines schlüsselfertigen PV-Systems der vergangenen Jahre brach der inflationsbereinigte Umsatz der Branche in den vergangenen zwei Jahren somit um ca. 11,89 Mrd. € zusammen. [2]

    Einspeisevergütung

    Dabei lässt sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Schnittpunkt von Einspeisevergütung und Strompreis für private Personen, sowie dem Zubau an PV-Systemen herstellen. Immerhin werden mit 39,3% die meisten PV-Systeme von Privatpersonen betrieben, gefolgt von Landwirten mit 21,2% und dem Gewerbe mit 19,2%. [6] Da der Gesetzgeber über die Novellierung des EEG im Jahr 2012 das Gesamtausbauziel auf einen jährlichen Ausbaukorridor zwischen 2.500 und 3.500MW reduzierte und dementsprechend stark auch die Einspeisevergütung gesenkt hatte, wurden somit die in Deutschland lukrativen Investitions-Modelle für PV-Systeme für die zentralen Zielgruppen stark eingeschränkt.[4], [5]

    Anforderungen an Unternehmen in der Branche

    Dem entsprechend müssen sich die Unternehmen, welche in dieser Branche tätig sind, den neuen Grundlagen des Wettbewerbes anpassen, um dauerhafte Unternehmensvorteile erzielen und langfristig Erfolgspotentiale sichern zu können.

    Der Markt für PV-Systeme stellt zwar einen bestehenden Markt, jedoch ein äußert dynamisches Umfeld dar. Dies wird deutlich an den stets sinkenden Preisen neuer Systeme, welche „durch technologischen Fortschritt und Skaleneffekte im Mittel um ca. 13% pro Jahr“[6] fielen, sowie dem starken Anstieg und dem anschließenden Zusammenbruch des Zubaus an PV-Systemen

    Daraus folgt als Bedingung für Unternehmen die in dieser Branche agieren, dass sie die Fähigkeit besitzen müssen innovative Produkte und Prozesse herstellen zu können. Das bedeutet produktinnovationsfähig sein zu können und ihre Ressourcenausstattung als wandlungsfähige Wissensbasis – basierend auf verschiedenen Kernkompetenzen – zu implementieren. Haben es die Unternehmen in den vergangenen Jahren verpasst solche Kernkompetenzen aufzubauen, wird es den Unternehmen schwerer fallen sich selbst neu zu definieren und den eigenen Umsatz trotz Marktzusammenbruch zu stabilisieren oder sogar zu erhöhen.

    Ansatzpunkt: Qualität

    Zentraler Ansatzpunkt zur Steigerung der Innovationfähigkeit eigener Produkte und Prozesse ist deren Qualität.

    Allgemein scheint es, dass im Markt vor allem gegenüber Privatkunden das Motto „Zeit ist Geld“ herrscht. Dabei bleibt für eine intensive Beratung sowie eine umfassende Analyse des Standortes und der Verschattungssituation wenig Zeit über. Doch genau dort ist es wichtig sich durch eine qualitativ hochwertige und professionelle Beratung von der Konkurrenz abzusetzen. Denn der Kunde merkt es, wenn er und sein hart erarbeitetes Geld für den Installateur zur Nebensache werden und so manche Umgereimtheit auftaucht bzw. Probleme kleingeredet werden. Das Problem dabei ist, dass ein gut beratener Kunde das Unternehmen eventuell weiterempfiehlt, ein schlecht beratener Kunde hingegen kennt die halbe Stadt und das führt zu einem zunehmenden Misstrauen gegenüber der Branche und weiter sinkenden Umsätzen.

    Eine qualitativ hochwertige und intensivere Beratung von interessierten Personen ist absolut notwendig, um sich von der Konkurrenz abzusetzen und ein starkes Vertrauen gegenüber dem eigenen Unternehmen aufzubauen!
    Die Grundlage dazu ist eine Umverteilung der bisher typischerweiser aufgewendeten Zeit für eine Beratung, durch die Standardiserung der Abläufe inkl. aller Berichte, Präsentationen und Berechnungen in der Angebotsphase von PV-Anlagen. Durch die Standardierung fällt weniger Zeit für Aufgaben an, welche sich kontinuierlich wiederholen und oft – abgesehen von Zahlen und Details – nahezu identisch sind. So kann mehr Zeit darauf verwendet werden z.B. den Einfluss verschattender Objekte am Standort zu analysieren und deren Auswirkungen gegenüber dem Kunden zu kommunizieren. Durch einfache 3D-Simulationen des Standortes (z.B. mit der Freeware Sketch Up [7]) kann dem Kunden die Möglichkeit gegeben werden selbst einen Einblick in die Berechnungen zu Erhalten.

    Abschließend kann festgehalten werden, dass sich die Unternehmen in der Branche radikal restrukturieren und Tätigkeitsschwerpunkte verschieben müssen, um trotz der sinkenden Umsätze dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Unternehmen, welche keine solchen Maßnahmen durchführen – da ihnen die dazu erforderlichen Kernkompetenzen oder die Weitsichtigkeit fehlt – werden sich nicht dauerhaft am Markt halten können.

     

     

     

    [1] PV Magazine (2014): [Photovoltaik-Mieterstrom-Modelle auch ohne Grünstromprivileg rentabel], unter: http://www.pv-magazine.de/nachrichten/details/beitrag/photovoltaik-mieterstrom-modelle-auch-ohne-grnstromprivileg-rentabel_100016216/ (02.04.2015).

    [2] Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (2015): [Statistische Zahlen der deutschen Solarstrombranche], unter: http://www.solarwirtschaft.de/unsere-themen-photovoltaik/zahlen-und-fakten.html (02.04.2015).

    [3] Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (2012): [Solarstromförderung sinkt weiter], unter: http://www.stoll-pv.de/wp-content/uploads/2012/02/BSW_Infografik_EEG_halb_1101118.jpg (26.12.2014).

    [4] Bundesverband Solarwirtschaft e.V. (2014): [EEG – Vergütungssätze im Überblick], unter: http://www.solarwirtschaft.de/fileadmin/media/pdf/eeg_verg_ uebers.pdf (26.12.2014).

    [5] Wie Energiesparen? Info! (2012): [Strompreisentwicklung 1998 – 2012 und Prognose 2013], unter: http://www.wie-energiesparen.info/wp-content/uploads/2012/09/strompreisentwicklung_1998-2012_prognose_2013.png (26.12.2014).

    [6] Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE (2015): [Aktuelle Fakten zur Photovoltaik in Deutschland], unter: http://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/veroeffentlichungen-pdf-dateien/studien-und-konzeptpapiere/aktuelle-fakten-zur-photovoltaik-in-deutschland.pdf/view (02.04.2015).

    [6] Sketch Up (2016): [Die einfachste Art zur Erstellung von 3D-Zeichnungen], unter: https://www.sketchup.com/de (14.05.2016).